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Verantwortung gegenüber der Gesellschaft übernehmen – Teil 1

Worin liegen die Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung und welche Anforderungen ergeben sich daraus für Unternehmen?

Seit über 30 Jahren versucht die Weltgemeinschaft Umweltzerstörung, Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, wirtschaftliche Ungleichheit und die fortbestehende soziale Ungerechtigkeit unter dem Titel nachhaltige Entwicklung zu verringern. Obwohl bereits einige Erfolge erzielt werden konnten, besteht heute jedoch kaum ein Zweifel, dass diese globalen Trends weder abgeschwächt noch gestoppt oder umgekehrt werden konnten. Ganz im Gegenteil: Die Entwicklungen haben sich sogar noch verstärkt. Zwar ist seit 1850 die weltweite Nachfrage nach Energie von Jahr zu Jahr gestiegen, aber zwischen 1980 und 2015 hat sich der weltweite Energiebedarf nahezu verdoppelt (Abb. 1). Heute und in naher Zukunft werden daher Kohle, Öl und Gas weiterhin den größten Beitrag zum weltweiten Energiemix liefern. Der wesentliche Treiber des starken Anstiegs der weltweiten Energienachfrage ist unter anderem in dem weltweiten Bevölkerungswachstum zu sehen. Seit 1980 ist die Weltbevölkerung von 4,4 Mrd. Auf 7,3 Mrd. Menschen angewachsen.

Allerdings gilt nicht nur für die Verwendung fossiler Brennstoffe, sondern auch für andere Ressourcen, dass nur eine beschränkte Menge von ihnen zur Verfügung steht. Häufig wird in diesem Zusammenhang auch vom Ressourcen-Budget der Erde gesprochen. Wenn beispielsweise jeder Mensch der Erde die gleiche Menge an Ressourcen verbrauchen würde, wie die Deutschen, bräuchte es aktuell über drei Erden, um jedem Menschen die gleiche Menge an Ressourcen zukommen zu lassen. Obwohl heute zwar nur die wenigsten Menschen der Erde so viele Ressourcen verbrauchen wie die Deutschen, nutzt die Weltbevölkerung bereits heute die Natur 1,7 Mal schneller, als diese sich regenerieren kann. Damit ist das Ressourcen-Budget für das Jahr 2018 bereits seit dem 1. August aufgebraucht. Die Menschheit hat in sieben Monaten und einem Tag so viel verbraucht, wie die Natur im ganzen Jahr erneuern kann (Umweltbundesamt, 2018 ). Im Jahr 1987 fiel der Earth Overshoot Day noch auf den 19. Dezember. Seit 1987 wird somit unter anderem zunehmend mehr Kohlendioxid ausgestoßen, als Wälder und Ozeane absorbieren können, wird schneller und mehr gefischt als sich die Bestände erholen oder werden mehr Bäume gefällt als nachwachsen können. Setzen sich aktuelle Trends unverändert weiter fort, würden bereits im Jahr 2030 zwei Erden benötigt, um den Ressourcenhunger aller Menschen zukünftig stillen zu können (Lerch, 2017).

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wird von Politik und Gesellschaft mehr und mehr eine nachhaltige Entwicklung angestrebt. Eine nachhaltige Entwicklung berücksichtigt die drei Dimensionen ökologische Nachhaltigkeit, wirtschaftliche Möglichkeiten und gesellschaftliche Integration jeweils zu gleichen Teilen. Bereits 1713 taucht der Begriff Nachhaltigkeit zum ersten Mal in der deutschen Literatur auf. Hans Carl von Carlowitz erklärt in seinem Buch Sylvicultura Oeconomica zur Forstwirtschaft, wie Abholzung zu einem Zusammenbruch der lokalen Wirtschaft führt. Er beschreibt darin, dass eine nachhaltige Verwendung des nachwachsenden Rohstoffs dazu führe, dass das Holzangebot für immer reiche (Lerch, 2017). Die aktuelle Verwendung des Begriffs Nachhaltigkeit basiert auf dem Report „Unsere gemeinsame Zukunft“ der World Commission on Environment and Development der Vereinten Nation aus dem Jahr 1987, darin heißt es: „Nachhaltige Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ Also: Nimm nicht mehr, als dir zusteht (Spektrum, 2017).

Da seit einigen Jahre Ressourcen nicht effizient genutzt werden und deutlich mehr Abfall produziert wird, als von der Umwelt aufgenommen werden kann, stellt eine nachhaltige Entwicklung die gesamte Gesellschaft vor große Herausforderungen. Zum einen muss der Pro-Kopf-Verbrauch an Ressourcen speziell in den Industrie- und Schwellenländern sinken, um mit zunehmender Weltbevölkerung die vorhandenen Ressourcen auf immer mehr Menschen verteilen zu können. So kann jeder Einzelne seinen Beitrag dazu leisten, den Earth Overshoot Day wieder weiter nach hinten ins Jahr zu schieben, unter anderem durch das Einsparen von Energie, das Kaufen saisonaler und regionaler Lebensmittel, das Erwerben langlebiger Produkte mit Recyclingmaterialien oder durch das Vermeiden von Abfällen. Weltweit gesehen, würde beispielsweise eine Halbierung des weltweiten CO2-Ausstoßes den Earth Overshoot Day bereits um 89 Tage verschieben (Umweltbundesamt, 2018 ).

Zum anderen hat auch die Wirtschaft eine große Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Seit einigen Jahren gewinnt der Begriff Corporate Social Responsibility stärker an Bedeutung. Corporate Social Responsibility (CSR) umfasst sowohl innerbetriebliche Prozesse und Entscheidungen als auch die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftens. CSR bezieht ökologische, ökonomische und soziale Aspekte mit ein. In der Praxis verwenden viele Unternehmen die Begriffe CSR und Nachhaltigkeit weitgehend synonym. Manche Unternehmen sprechen von Nachhaltigkeitsstrategie, andere von CSR-Strategie. In der Theorie ist CSR als Konzept hingegen enger gefasst als Nachhaltigkeit und bezeichnet den spezifischen Beitrag, den Unternehmen zur Nachhaltigkeit leisten (BMAS, 2018).

Die Leitidee bei der Umsetzung von CSR im Unternehmen lässt sich in fünf wesentlichen Punkten zusammenfassen:

  • Schaffung gesellschaftlicher und ökonomischer Werte
  • Vermeidung direkter negativer Auswirkungen durch Null-Emissionen und kompostierbare oder wiederverwertbare Produkte
  • Entwicklung nachhaltiger Produkte, welche positive Wirkungen in der Lieferkette erzeugen und nachhaltiges Konsum- und Entsorgungsverhalten beim Kunden fördern
  • Aufgabe nicht-nachhaltiger Geschäftsprozesse
  • Übernahme einer Vorbildfunktion für andere Unternehmen

Entscheidend bei der Umsetzung von CSR ist somit nicht nur die Reparatur oder Korrektur der Unternehmenstätigkeit, sondern dass soziale und ökologische Themen derartig einbezogen werden, dass sie den Unternehmenserfolg stärken und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle unterstützen (Business Cases for Sustainability) (Schaltegger, 2009). Damit dies gelingt, benötigt jedes Unternehmen ein Nachhaltigkeitsmanagement. Dieses hat die Aufgabe ökologische, soziale und ökonomische Ansprüche im Unternehmen zu einem neuen, innovativen Ansatz zusammenzuführen ohne den Bezug zur eigenen Geschäftstätigkeit aus dem Fokus zu verlieren. Die konkrete Umsetzung einer CSR-Strategie ist dabei stark abhängig von Unternehmen und Branche. Für produzierende Unternehmen bestehen beispielsweise andere Herausforderungen als für den Handel und börsennotierte Unternehmen stehen vor anderen Herausforderungen als kleine oder mittelständische Unternehmen. Beispiele für CSR-Handlungsfelder können die Arbeitssicherheit, Mitarbeiterzufriedenheit, Energieeffizienz oder Mindeststandards in der Lieferkette sein.

Wenn Sie eine verantwortungsbewusste Unternehmensausrichtung anstreben und dies umsetzen wollen, unterstützen wir Sie bei Ihrem Veränderungsprozess und sorgen gemeinsam für einen gelungenen Eindruck Ihrer Unternehmensverantwortung.

Ob Info-Workshop oder Vortrag, Beratungskonzept oder Langfriststrategie – bitte kontaktieren Sie uns mit Ihren Wünschen oder teilen Sie uns Ihre Vorstellung dazu mit.

Herzlichst,
Dr. Johannes Lübbers | luebbers@dr-bredemeier.de

 

Lesen Sie jetzt Teil 2 – Verantwortung gegenüber der Gesellschaft übernehmen.

 

[1] Mtoe = Millionen Tonnen Öläquivalent; Um Energieträger vergleichbar zu machen, werden sie mithilfe einzelner Umrechnungsfaktoren auf Öl bezogen (Öläquivalent). Laut British Petroleum (BP) entspricht eine Tonne Öläquivalent in etwa 1,5 Tonnen Steinkohle, 1.111 Kubikmeter Erdgas.

 

Literaturverzeichnis

  • BMAS. (2018). Unternehmenswerte - CSR Made in Germany. Von Bundesministerium für Arbeit und Soziales: https://www.csr-in-deutschland.de abgerufen
  • Lerch, D. (2017). The Community resilience reader - Essential resources for an era of upheaval. Washington DC: Island Press.
  • Schaltegger, P. D. (2009). Was kennzeichnet ein nachhaltiges Unternehmen? Studio!Sus - Der Studienführer zum Thema Nachhaltigkeit.
  • Spektrum. (2017). Nachhaltigkeit - Nahrung und Energie für die Zukunft. Heidelberg: Spektrum der Wissenschaft - Kompakt.
  • Umweltbundesamt. (2018 ). Earth Overshoot Day 2018: Ressourcenbudget verbraucht. Von https://www.umweltbundesamt.de/themen/earth-overshoot-day-2018-ressourcenbudget abgerufen