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Verantwortung gegenüber der Gesellschaft übernehmen – Teil 2

... Fortsetzung von Teil 1 – Verantwortung gegenüber der Gesellschaft übernehmen

 

Worin liegen die Herausforderungen nachhaltigen Handelns und welche Anforderungen ergeben sich daraus für Unternehmen?

Verantwortliches oder nachhaltiges Handeln in Unternehmen geht längst über eine moralische oder ethische Frage hinaus. 2016 sind beispielsweise nach Angaben der Global Sustainable Investment Alliance (GSIA) bereits mehr als $22 Billionen nach den sogenannten Social Responsible Investment (SRI)-Kriterien angelegt worden (Anstieg von 25% gegenüber 2014) (GSIA, 2016)[1], Tendenz steigend. Vor allem langfristig orientierte Anleger, wie institutionelle Investoren und Versicherungen, bevorzugen Unternehmen, die nachhaltiger Wirtschaften als Wettbewerber. Verschiedene Managementtheorien zeigen zudem, dass Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften, langfristig erfolgreicher sind. Die Gründe dafür sind vielfältig:

Reputation: Ein verantwortungsbewusstes Unternehmen positioniert sich als attraktiver Arbeitgeber. Dies wirkt nicht nur dem Fachkräftemangel entgegen, sondern erhöht auch die Kundenbindung und hilft neue Kundengruppen zu erschließen.

Effizienz: Durch eine gesteigerte Energie- und Ressourceneffizienz werden ökologische Auswirkungen reduziert und Kosten gesenkt.

Risikominimierung: Ein gut funktionierendes Arbeitssicherheits- und Gesundheitsmanagement reduziert die Kosten unfallbedingter Produktionsausfälle und Ausfalltage von Mitarbeitern.

Innovationskraft: Ein frühzeitiges Einstellen auf steigende Energiekosten, verringerte Verfügbarkeit von Rohstoffen oder strengere gesetzliche Vorgaben bringt längerfristig klare Wettbewerbsvorteile.

Da vor allem auch der gesellschaftliche Druck auf die Unternehmen weiter zunimmt, müssen bisherige Geschäftsmodelle und Strategien überdacht und möglicherweise neu ausgerichtet werden. CSR bedeutet somit unter anderem auch Veränderung. Und die muss man zunächst einmal wirklich wollen.  

CSR fördert und fordert interdisziplinäres Denken und eröffnet neue Perspektiven

Eine ganzheitliche Umsetzung von CSR betrifft alle Unternehmensbereiche. Eine alleinstehende Abteilung oder Position im Unternehmen ist nur wenig zielführend. Dabei kommt der Geschäftsleitung eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung von CSR zu. Sie wirkt als Vorbild und treibt damit die Verbreitung des verantwortungsbewussten Handelns voran. Zur Unterstützung der Geschäftsleitung dient die Einrichtung eines Gremiums oder Teams aus Vertretern der verschiedenen Abteilungen und Funktionen. Dieses kommt in regelmäßigen Treffen zusammen und entwickelt gemeinsam Lösungen und Konzepte für ein verantwortungsbewusstes Unternehmen. Auf diese Weise fördert CSR die effiziente Zusammenarbeit zwischen Abteilungen eines Unternehmens und bringt die Entwicklung gemeinsamer Innovationen voran. Ein CSR- oder Nachhaltigkeits-Manager koordiniert das Gremium und bindet alle Akteure aktiv ein.

So umfasst beispielsweise die Entwicklung eines nachhaltigen Lieferkettenmanagements nicht nur eine ökologisch und sozial unbedenkliche Beschaffung der Vorprodukte, sondern auch einen fairen und nachhaltigen Umgang mit Lieferanten. Das hat möglicherweise nicht nur eine Umstellung im Einkauf zur Folge, sondern auch in der Gestaltung der Lagerungsmöglichkeiten und einer angepassten Produktion durch veränderte Prozesse in der Beschaffung. Zudem kann die Forschung & Entwicklungsabteilung neue Impulse für den Einsatz alternativer, nachhaltiger Materialien geben.

Damit eine langfristige Umsetzung der CSR-Strategie gelingt, müssen Mitarbeiter geschult und weitergebildet werden. Beispielsweise müssen im Einkauf Nachhaltigkeitskriterien integriert und Informationen über relevante Siegel, Normen und Auszeichnungen verbreitet werden. Ganzheitlich angewendete CSR-Strategien bieten Mitarbeitern somit nicht nur neue Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten, sondern auch die Möglichkeit sich aktiv in Prozesse einzubringen. Dadurch wird die Motivation erhöht und Fachkräfte besser ans Unternehmen gebunden.

Zur erfolgreichen Umsetzung von CSR ist eine klare Zieldefinition entscheidend 

Um CSR langfristig im Unternehmensalltag umzusetzen, bedarf es einer klaren Zieldefinition. Das Gremium oder Team bestehend aus Entscheidungsträgern verschiedener Abteilungen entwickelt und definiert dazu im ersten Schritt eine gemeinsame Zielformulierung basierend auf folgenden Arbeitsschritten:

 1. Analyse des eigenen Unternehmens:

  • In welchem Bereich wirken die Unternehmensaktivitäten am Stärksten?
  • In welchen Bereichen muss das Unternehmen Verantwortung übernehmen?
  • Was erwarten die Anspruchsgruppen? Hier helfen Dialoge mit Mitarbeitern, Lieferanten, Kunden, Politik und Zivilgesellschaft, Medien und Öffentlichkeit
  • Was macht das Unternehmen bereits?
  • Ziel: Identifikation wesentlicher Themenfelder

2. Materialitätsanalyse: Gewichtung der Themenliste

  • Themen nach Bedeutung für das Unternehmen und die Stakeholder bewerten
  • Identifikation der unternehmensrelevantesten Handlungsfelder durch Dialog mit Anspruchsgruppen wie Mitarbeiter und Geschäftspartner. Für einen produzierenden Betrieb sind beispielsweise die Rohstoffbeschaffung und Lieferanten wichtige Handlungsfelder
  • Die identifizierten Handlungsfelder bilden die Basis für die Nachhaltigkeitsstrategie und somit für die Definition übergeordneter Ziele. Dabei sind die Ziele, die möglichst nah am Kerngeschäft ausgerichtet sind, am glaubwürdigsten
  • Um die Ziele zu erreichen, müssen diese durch Kennzahlen mess- und vergleichbar gemacht werden, beispielsweise kann der CO2 Ausstoß oder der Primärrohstoffeinsatz je Produkteinheit gemessen und von der Controlling-Abteilung kontrolliert werden
  • Alle beteiligten Personen, wie bspw. Mitarbeiter müssen frühzeitig eingebunden werden

Es bleibt zu beachten, dass eine erfolgreiche CSR-Implementierung viel Zeit benötigt. Nur durch die Definition einzelner Meilensteine können die übergeordneten Ziele durch die Umsetzung einzelner Projekte langfristig erreicht werden.

Implementierung neuer Prozesse und Abläufe ist für eine erfolgreiche CSR-Umsetzung elementar

Nachhaltigkeit bedeutet permanentes Lernen und Hinterfragen seines Handelns. CSR ist daher kein einmaliges Projekt, sondern ein dauerhafter Prozess. Nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Handeln muss vielmehr zur Gewohnheit und in allen Bereichen fest verankert werden. Das Aufsetzen von Regeln und Prozessen ist elementar.

  • Entscheidungsträger sollten ihre Teams oder Mitarbeiter nach ihrer Meinung fragen und diese in die CSR-Strategie integrieren. Das erhöht die Arbeitgeberattraktivität durch das Gefühl von Sinn und Identifizierung und stärkt den Zusammenhalt
  • Die vom CSR-Gremium getroffenen Entscheidungen werden durch die einzelnen Entscheidungsträger wiederrum in die relevanten Abteilungen zurückgetragen
  • Finanzielle Anreize können die Wirkung von CSR erhöhen, beispielsweise für das Erreichen vorgegebener Recyclingquoten
  • Zudem ermutigen nicht-finanzielle Anreize Mitarbeiter zur Verantwortungsübernahme, beispielsweise durch Freistellung für gesellschaftliches Engagement
  • Einbinden der Controlling Abteilung zur Steuerung und Kontrolle vorab definierter nicht-finanzieller Kennzahlen, wie beispielsweise des CO2-Ausstoßes oder Ressourcenverbrauchs
  • Jährliche Berichterstattung über CSR-Strategie und bereits umgesetzte Maßnahmen in standardisierten CSR-Berichten

Für die langfristige Umsetzung von CSR müssen somit ein neues Bewusstsein und feste Strukturen im Unternehmen geschaffen werden. CSR ist ein laufender Prozess, in dem alle Angebote und Produkte kontinuierlich auf positive und negative gesellschaftliche Auswirkungen überprüft werden. Damit CSR für das Unternehmen zum Erfolg wird, ist entscheidend, dass zum einen die Pläne über das, was durch CSR erreicht werden soll, frühzeitig allen Mitarbeitern klar und verständlich mitgeteilt werden. Zum anderen müssen Fortschritte und Entwicklungen auch über regelmäßige Berichte externen Stakeholdern zugänglich gemacht und verständlich aufbereitet werden.

Wenn auch Sie eine verantwortungsbewusste Unternehmensausrichtung anstreben und dies umsetzen wollen, unterstützen wir Sie bei Ihrem Veränderungsprozess und sorgen gemeinsam für einen gelungenen Eindruck Ihrer Unternehmensverantwortung.

Ob Info-Workshop oder Vortrag, Beratungskonzept oder Langfriststrategie – bitte kontaktieren Sie uns mit Ihren Wünschen oder teilen Sie uns Ihre Vorstellung dazu mit.

 

Herzlichst,
Dr. Johannes Lübbers | luebbers@dr-bredemeier.de

 

[1] GSIA. (2016). Global Sustainable Investment Review. Global Sustainable Investment Alliance.