EN | DE

Beantworten Sie nicht alle Fragen

So manche Pressekonferenz bei Unternehmen generiert in der heutigen Zeit zum inszenierten Höllenfeuer, zum verbalen Fegefeuer, zum Spießrutenlauf.

So zeigte der 4-köpfige Vorstand eines Energieversorgers eine totale Sprachlosigkeit, als nach der Präsentaion der neuen Unternehmensstrategie der bald darauf ausscheidende Betriebsratsvorsitzende an das Mikrofon ging und den Vorstand mit dem Buchtitel von Oggers titulierte: „Meine Herren, Sie sind und bleiben Nieten in Nadelstreifen!“
Der Beifall der Versammlung schwillte an, die angesprochenen Herren rutschten tiefer in die Stühle – und keiner sagte etwas. Natürlich hatte man auch in der ersten Reihe nicht an ein Handmikrofon gedacht. Es war eine peinliche und entwürdigende Niederlage – mit Langzeitwirkung.
Ein anderes Szenario: Totale Sprachlosigkeit, begleitet vom nach Luft schnappen, zeigte vor einigen Jahren der Vorstandssprecher einer großen Bank bei der Präsentation der Bilanz auf der Pressekonferenz.
Als Aktionärsvertreter das Wort ergreifen konnten, schritt ein bekannter Ökonomieprofessor zum Mikrofon und fragte den Vorstandsprecher sinngemäß:

„Ich stelle fest, Sie haben 17 Aufsichtsratsmandate, die Sie meines Erachtens nach nicht vernünftig ausüben können. Ich wette, dass Sie noch nicht einmal in der Lage sind, diese Mandate aufzuzählen. Aber probieren Sie es doch einmal ...!“

Der Vorstandsprecher trat in den Fettnapf, kam bis zum 11. Aufsichtsratsposten und wiederholte sich schon wieder, lief rot an, schnappte nach Luft und war sprachlos.
Referenten und andere Vorstandkollegen schauten betroffen zu Boden und dachten bei sich: „Armer Kerl“ – oder „Armer Kerl, aber Gott sei Dank hat es Dich getroffen!“
Dabei wäre es so einfach gewesen, diese Situation zu überwinden.
Nur hätte er früh genug das Spiel unterbrechen müssen, beispielsweise mit der Bemerkung: „Herr Professor, ich beantworte Ihre polemische Frage, die nicht Gegenstand unserer Hauptversammlung ist, gerne in der Kaffeepause. Ich darf Sie daran erinnern, dass wir über die Bilanz sprechen. Haben Sie Fragen zum Thema? Ansonsten machen Sie bitte das Mikrofon frei für wichtige Fragen, die uns weiterbringen.“

Ein anderes Szenario: Ein Aktionärsvertreter bombadierte den Vorstandvorsitzenden einer AG mit der Frage: „Ihr Unternehmen weist sektenähnliche Strukturen auf. Was sagen Sie dazu?“
Der perplexe Vorstand rechtfertigte sich eine geschlagene ½ Stunde lang – danach hatte sich der Eindruck verhärtet. Peinlich.

Tipp: Bewerten Sie Fragen – und variieren Sie Ihre Muster im Umgang mit solchen.
Trainieren Sie im Vorfeld zu wichtigen öffentlichen Auftritten – und das ist jeder Auftritt! – diese möglichen „schwierigen Fragen“!
Für einige Unternehmen gehört das als Standard zur Vorbereitung. Zur professionellen Vorbereitung ... und diese wiederum ist Standard für Profis.

  • Antworten geben  - können Sie.
  • Gegenfragen stellen - können Sie.
  • Ausweichen oder Fragen zurückstellen – können Sie.
  •  So beantworten Sie höchstens Fragen, Botschaften setzen Sie nicht ab.

Also: Erweitern Sie Ihre Muster:

Regel:
Üben Sie den alternativen Umgang mit Fragen – Fragen beantworten heißt, diese zu legitimieren