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Schlagfertig im Regen stehen lassen

Auf einem vollbesetzten Flug von Köln/Bonn nach München, abends gegen 20 Uhr, kam es im Flugzeug zu einer spannenden Begegnung. Genervte Passagiere, genervte Flugbegleiter.

Eine Stewardess, die gerade dabei war, die Getränke zu servieren, bekam von einem Fluggast der Business-Klasse sein Geschirr vom Abendessen entgegengereicht. Die Flugbegleiterin, beide Hände bereits voll mit einer Kaffee- bzw. einer Teekaraffe, streckte dem Vielflieger diese entgegen und sagte: „Sie sehen ja, es geht nicht!“ Dann drehte sie sich um, bediente weiter und kam zwei Minuten später, ebenfalls noch mit beiden Karaffen in den Händen wieder vorbei.
„Hier!“, wieder der, diesmal bestimmtere Versuch des Fluggastes, seine Abfälle an die Frau zu bringen. Das gleiche Ergebnis. Demonstrativ reckte die Stewardess ihre Thermo-Karaffen ihm entgegen ... und bediente weiter. Knapp fünf Minuten später kam sie zurück, wollte das Geschirr einsammeln. Der Fluggast hatte ihr diese Arbeit bereits teilweise abgenommen, auf seiner Ablage stapelten sich, aufgetürmt und ineinander verschachtelt, auch die Geschirre der Mitreisenden aus seiner Sitzreihe. Die Stewardess, reichlich genervt, fauchte den Fluggast an: „Wir sind doch hier nicht im Kindergarten! Gehen Sie dorthin, wenn Sie mit Bauklötzen spielen wollen und Türmchen bauen möchten.“ Irritiert und konstaniert reagierte dieser unter dem Beifall der Mitreisenden: „Ach, und warum benehmen Sie sich denn wie eine - zugegebener Maßen fehlbesetzte - Kindergärtnerin?“ Die Stewardess schnappte nach Luft, war sprachlos und entschuldigte sich beim Aussteigen der Gäste beim betroffenen Fluggast.
Anstatt jedoch diese Entschuldigung anzunehmen, entgegnete dieser eiskalt:
„Kindchen, gehen Sie doch nochmal in den Kindergarten, dort sind Sie wirklich besser aufgehoben! Und schließlich ist das Großziehen von Kleinkindern doch die letzte Domäne der reinen Amateure!“ ... dann stieg er lächelnd in den wartenden Bus.

Tipp:
Manchmal ist es auch nötig, den Gesprächspartner weiterhin im Regen stehen zu lassen – der Denkanstoß wird durch akzeptierte Entschuldigungen abgemildert. Unrecht bleibt Unrecht.