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Schluss mit Selbstironie!

„...ein Fünkchen Wahrheit ist schon dran!“ Ein überzeugender Gesprächsauszug der den Widersinn von Selbstironie aufzeigt, findet im Sitzen statt:

„Wie heißen Sie denn?!“

„Ich ...“

„Machen Sie ruhig das Jackett auf, dann sitzt es nicht so gespannt!“

„O.k., ja also mein Name ist Michael ...“

„Wir kennen uns ja bereits durch eine gemeinsame Fahrtstuhlfahrt, wobei Sie überrascht waren, dass es nach oben ging ...“

„Nun, ich ...“

„Es ist im Fahrstuhl normal, entweder geht es nach oben oder unten.“

„Wollen, ähhh, Sie jetzt wissen, wer ich bin?!“

„Ja, klar, Sie kommen bloß nicht auf den Punkt!“

„Also, mein Name ist Michael ...“

„ ... sagten Sie schon ...“

„ ... ja, ich bin von der Ausbildung her Dipl.-Wirtschaftsinformatiker und arbeite jetzt bei der Firma Meier in Y-Stadt. Vorher war ich bei der Firma Müller in X-Stadt, die aber leider nicht mehr existiert. Und davor war ich bei der Firma Nixdorf, na ja, deren Schicksal ist ja auch bekannt!“

„Jetzt werden Sie natürlich sagen, dass Sie diese nicht zugrunde gerichtet haben. Oder?!“

„Vermutlich nicht, aber ausgeschlossen ist es natürlich nicht (lacht); es ist – ähhh – natürlich auffallend, dass alle Firmen bei denen ich vorher war, aufgehört haben zu existieren. Ich führe das allerdings nicht unbedingt auf meine Mitarbeit zurück (lacht wieder).“

„Klar, warum sollten Sie auch? An Ihrer Stelle würde ich es auch nicht zugeben, schuldig zu sein.“

„Ähhmm (lacht).“

„Also, geben Sie es zu?!“

„Nein, ich konnte jedenfalls immer meine Arbeitgeber davon überzeugen, dass ich ein wertvoller Mitarbeiter bin. Bisher jedenfalls ..., habe es irgendwie auch geschafft, eine neue Stelle zu bekommen.“

„Klar, Hauptsache, man überträgt Ihnen nicht wieder unvorsichtiger Weise die operative Verantwortung ... da gehört schon einiges zu, so ein Unternehmen wie Nixdorf zugrunde zu richten ...“

„Ja, 30.000 Leute – schwupps – von heute auf morgen zugrunde gerichtet.“

„Wie haben Sie das geschafft?“

„Das möchte ich eigentlich nicht verraten!?“

„Wer bezahlt Sie denn dafür, dass Sie diesen Job machen, die Wettbewerber der jeweiligen Unternehmen?“

„Den größten Teil meines Gehalts bekomme ich vom Arbeitgeber.“

„- und sicherlich eine Erfolgsprämie vom Wettbewerber?!“

„Ähhmm ...“

„Wer ist denn der schärfste Wettbewerber Ihres jetzigen Arbeitgebers?!“

„Das ist die Firma ABC,... aber noch sind wir Weltmarktführer!“

„Noch ...“

„Ja, aber für die Produktion bin ich nicht verantwortlich, bin EDV-Fachmann, arbeite also im Hintergrund.“

„Klasse, kann also der Vertrieb noch so erfolgreich sein, solange Sie die EDV kontrollieren, läuft das Unternehmen nicht.“

„Ja, aber bei meiner Firma arbeite ich schon 5 Jahre und sie ist immer noch erfolgreich ...“

„... wie lange waren Sie denn bei Nixdorf?“

„Sieben Jahre!“

„Und dann bei dem Unternehmen danach?“

„Sechs Jahre ...!“

„Also erwecken Sie zunächst einmal Vertrauen und dann: Bängg!“

„Na ja ...?!“ (lacht)

Die Selbstironie erkennen Sie sofort, am Anfang des Gesprächs lockere selbstironische Replik und schon hat sich die kommunikative Schlinge zugezogen.
Und dabei weiß jeder Zuhörer – oder in diesem Fall Sie als Leser unseres fiktiven Gesprächsausschnitts-, dass die Selbstironie keinerlei (?) Wahrheit enthält.
Aber, die selbstironischen Bemerkungen sind eine unheimliche Herausforderung bei der Verarbeitung des Rezipienten: Er hört eine Botschaft, versteht diese – richtig, genau und analytisch – klar und deutlich, soll aber das Gegenteil denken und dann auch noch diese gegenteilige Aussage abspeichern. Wahnsinn.

Tipp: Selbstironie ist ein geistiger Spagat, den der Gesprächsteilnehmer nicht leisten kann – auch wenn er die Selbstironie erfasst.

Ein weiteres verkürztes Beispiel:

A: „Sie sind eine Pfeife!“

B: „Ach, wenn Sie mich genauer kennen würden, wüssten Sie, dass ich sogar eine Oberpfeife bin!“

Und jetzt die Betrachtung aus Sicht des Zuhörers:

  1. Er hört 1 x „Pfeife“ und 1 x „Oberpfeife“, soll jetzt direkt die Ironie sowie Selbstironie erkennen und verstehen, sodann das Gegenteil abspeichern.
  2. Kurze Frage: Was ist das Gegenteil von „Pfeife?“ – Sehen Sie?!

Tipp: Bitte in kritischen Situationen auf Vorwürfe oder Fragen zu Ihrer Person, dem von Ihnen repräsentierten Unternehmen oder Kompetenzfeld niemals mit Selbstironie antworten. Die Botschaft wäre eine Aufforderung zum geistigen Spagat für die Gesprächspartner. Und ein Fünkchen Wahrheit ist immer dran ... Stellen Sie durch klare Bewertung und positive Aussagen die Fragen oder Vorwürfe richtig, bewerten Sie den Gesprächspartner und seine Aussagen konsequent.

Ironie ist ein trojanisches Pferd der Verbalakrobatik, Selbstironie ist ein geistiges Minenfeld für den Anwender.

Ein Gegenbeispiel deshalb:

„Haben Sie also das Unternehmen zugrunde gerichtet?“

„Nein, im Gegenteil, ich habe dort sehr erfolgreich gearbeitet!“

Denken Sie daran:

  1. Vorwurf nicht wiederholen, denn Wiederholungen verankern die Botschaft.
  2. Ersetzen Sie den Vorwurf durch eine positive Richtigstellung, niemals durch negative Abgrenzung („ich bin nicht schuld“).

Als Selbstironie bezeichnen wir eine Stilfigur, bei der die Situation oder der Gesprächsverlauf es dem Zuhörer anbieten, dass die auf sich selbst bezogene Aussage des Sprechers die gesagten Worte konterkarieren, also ins Gegenteil verkehren sollen.