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Unterbrechen Sie konsequent Gesprächsentgleisungen

Da wir zwei West-Highland-Terrier - Eric und Dustin - haben, haben wir mit den beiden Rüden schon sehr früh Hundeausbildungskurse absolviert.
Einer der Trainer war der bekannte und renomierte Wolfsforscher Günter Bloch, der im Rahmen von EU-Projekten beispielsweise alte Hirten-Wanderwege aufbaut und zugleich die Schafshirten unterrichtet, wie sie ihre Herden gegen Wölfe schützen können.

Herr Bloch war auch auf mehreren Führungsseminaren mein Gast und gestaltete zum abendlichen Ausklang eindrucksvolle Referate über die unterschiedlichen Führungsstrukturen, Lebensweisen, Sozialstrukturen und Jagdpraktiken von Wolfsrudeln in unterschiedlichen Regionen der USA und Europas.
Von Günter Bloch habe ich eine Analogie zum Thema Schlagfertigkeit aufgenommen, die sich auf die Unterbrechung von Konditionierungsketten bezieht.
Stellen Sie sich vor, Sie sind mit einem jagdtriebigen Hund im Wald unterwegs.
Ihr Hund trottet gemächlich durch den dunklen, zugewachsenenWald. Tab, tab, tab.
Ohne Anspannung, gemütlicher Schongang ist angesagt.
Da plötzlich nimmt er Witterung auf. Womm - ihr Hund streckt sich, steht unter voller Spannung, da er nun Wildgeruch in der Nase hat. Die Muskeln werden aktiviert, er steht unter Strom.
Natürlich können Sie jetzt warten, dass er seine Anspannung frei setzt und losspurtet. Er tut´s. 5 Meter, 10 Meter, 15 Meter. Wenn Sie nun denken: Fiffi, 10 Meter gebe ich dir noch, bevor ich rufe, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass er zurückkommt, gleich Null. Ihr Pfiff erfolgt, Sie rufen, null Reaktion, Ihr Hund ist weg.
Eine halbe Stunde später kommt er erschöpft und ausgepowert zurück. Glück vorausgesetzt, daß er weder gewildert hat, noch ein Jägersmann in der Nähe war.
Doch Ihre Geduld wird belohnt.
Was hätten Sie anders machen können? Erfahrene Tiertrainer geben hier einen wertvollen

Tipp: Unterbrechen Sie möglichst schnell die ablaufende Inititiierungskette. Unterbrechen Sie das Muster. Und so funktioniert es, nochmals die Situation:

Ihr Hund trottet gemächlich durch den dunklen, zugewachsenen Wald. Tab, tab, tab.
Ohne Anspannung, gemütlicher Schongang ist angesagt.
Da plötzlich nimmt er Witterung auf.
Womm - Ihr Hund streckt sich, steht unter voller Spannung, da er nun Wildgeruch in der Nase hat. Die Muskeln werden aktiviert, er steht unter Strom.

Nun muss Ihre Reaktion erfolgen. Ein Pfiff, ein bestimmtes Kommando:„Dustin, Fuß!“

Im Normalfall erfolgt bei einem trainierten Hund nun eine andere Reaktion. Er entspannt, dreht sich um und kommt zum Fuß.
Je schneller Sie diese Kette, sprich: den Ablauf unterbrechen, desto besser ist Ihre Chance, dass der Hund bleibt. Sie ersetzen die Ablaufkette des auf-die-Jagd-gehens durch ein anderes Ablaufschema, der Kontrolle über den Hund.
Analog läuft es bei der Schlagfertigkeit ab. Je konsequenter und souveräner Sie bei einem verbalen Schlagabtausch einsteigen, je schneller und ideenreicher Sie agieren, desto einfacher werden Sie Ihren verbalen Aggressor beherrschen. Reagieren Sie verspätet oder anfangs nur irritiert, ist der Zug abgefahren. Je länger Sie im Schlagabtausch bleiben, desto geringer wird Ihre Chance sein, strahlender Sieger im Rededuell zu sein.

 

Ein Praxisbeispiel mag Ihnen diese Unterbrechung der Ablaufkette nochmals verdeutlichen:

Vor vielen Jahren hatten wir, ich war damals noch Geschäftsführender Gesellschafter im Trainingsbereich der Mummert + Partner-Gruppe ein intensives Messetraining für ein Unternehmen der holzverarbeitenden Industrie.
Wir hatten die etwa 100 Teilnehmer in einem rotierenden Verfahren auf 4 Gruppen aufgeteilt, in denen wir themenspezifisch bestimmte MesseSchwerpunkte bearbeiteten.
Jede Gruppe war ca. 1,5 Stunden bei einem Trainer, dann kam eine Pause, die Gruppe wechselte rolierend zum nächsten Themenschwerpunkt, und so weiter.
Wir waren mit zwei Trainerinnen und zwei Trainern angetreten, und es entwickelte sich in einer Gruppe eine sehr starke Gruppendynamik.
Doch wohin mit all der Energie, mit all der Power, die man im Training aufbaut? Nun, nichts einfacher, als zuerst einmal das standing und die Kompetenz des jeweiligen Trainers infrage zu stellen und ihn auf die Probe zu stellen.
Eine Gruppe wurde immer aktiver. Sie schoß den ersten Trainer kräftig an, der zog sich noch relativ gut aus der Affäre, hatte er doch auch genug Erfahrung in solchen Gruppenprozessen.
Anschließend kamen die beiden Trainerinnen dran, eine relativ junge und noch zuwenig erfahrene der beiden war nach ihrem Gruppentraining durch die vielen Verbalattacken den Tränen nahe, die Gruppe hatte sich extrem hochgeschaukelt.
Da sie immer wieder versuchte, mit Sachlichkeit den emotionalen Spitzen zu begegnen, war sie letztlich total ausgebrannt und mit den Nerven am Ende, die Gruppe war anderseits dadurch in Höchstform.
Da ich durch die Eindrücke der Kolleginnen und des Kollegen gewarnt war, wartete ich mit Spannung auf die letzte Sequenz mit dem Teilnehmerfeld dieser Gruppe.

Ich stand allein im Seminarraum, die Tür ging auf, der Raum füllte sich mit den etwa 25 Teilnehmern. Kaum waren alle da, einige suchten sich Plätze, kam eine kleine Gruppe von fünf, sechs Teilnehmern auf mich zu. Langsam angeschlendert kommend baute sich der Wortführer, der es bis dato ziemlich doll mit den Trainerkollegen getrieben hatte, vor mir auf, die anderen standen im Halbkreis drum herum.
„Na, Dr. Bredemeier, ob wir denn wenigstens von Ihnen heute etwas lernen können?!“, so zischte er seine provozierende Bemerkung zur Begrüßung hervor.
In der Kontaktphase verbal ´draufhauen oder nicht?, so schoß es mir kurz durch den Kopf.

Ich entschied mich dafür:
„Hallo, ich hoffe, ich kann Ihrer mittelmäßigen Intelligenz, von der die Kollegen berichteten, Rechnung tragen!“
Der Rädelsführer stutzte, verbalisierte seine Denkpause mit „ähhh“ und sagte verblüfft: „`Tschuldigung, sollte ein Scherz sein.“
„Macht nichts,“ erwiderte ich, „meine Aussage war ja auch einer, aber nun lassen Sie uns anfangen!“
Es war - zugegeben - ein harter Ball, den ich dort gespielt hatte, aber wir hatten einen Zugang durch dieses kleine Wortgefecht zueinander gefunden, die Ablaufkette war durchbrochen.

Sicher wissen Sie schon, was kam.
Es wurde mit Abstand die beste und interessierteste Gruppe des Tages, mit viel Spaß und Humor arbeiteten wir unseren Themenschwerpunkt ab und überzogen dabei sogar noch eine gute halbe Stunde.

Fazit: die etwas boshaftere Replik hatte darüber entschieden, ich war erst Mitspieler, dann Spielführer geworden, nicht aber Spielball der Gruppe.

Tipp: Je schneller Sie eine Gesprächsentgleisung ansprechen, desto konsequenter werden Sie diese beenden können. Ihr Aufwand wächst proportional zum Zulassen.