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Eristische und jesuitische Dialektik

Dialektik bezeichnet die Befähigung, in Gesprächen den oder die Diskusssionspartner in Rede-Gegenrede zu überzeugen oder ist erlebt als Überrede-/Überzeugungskunst. Zugleich als Fertigkeit, durch Kommunikation Probleme zu lösen, indem im gemeinsamen Erkenntnisprozess ein Konsens herbeigeführt wird.

Dabei ist es wichtig, die Gedanken präzise zu fassen, in die richtigen Worte zu übertragen, aus einer partnerschaftlichen Rolle heraus mit der adressatenorientierten Sprache und einer konsensschaffenden Kommunikation das Auditorium oder die jeweiligen Gesprächspartner zu überzeugen.

Eristische Dialektik speziell gilt seit der Antike als die hohe Schule der KunstFertigkeit sowie Technik und Methode des (wissenschaftlichen) Streitgespräches. Es zählen jedoch häufig nicht die inhaltlichen Aussagen, sondern einzig die unwiderlegliche Argumentation, um grundsätzlich Recht zu behalten.

Verfeinert haben diese Techniken und Methoden der kunstfertigen dialektischen Anwendung die „Maschinengewehre Gottes“, die Jesuiten. Um ihre Argumentationskunst und verbale Sprachfertigkeit ranken sich Mythen, viele sehen in ihnen die verkörperte Intoleranz und den andersdenkenden verabscheuende Scheinheiligkeit. Andere jedoch verherrlichen sie aufgrund ihrer pädagogischen Einflüsse in Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen. Straff militärisch organisiert prägen sie auch heute noch sublim unsere Politik, Wirtschaft und Kultur.

Selbst eine zeitweise komplette Ordensaufhebung bremste sie nur, stärkte aber zugleich den Überlebenswillen ihrer Vertreter und führte zu deren elitären Geistesbildung, die einzigartig ist in der Darstellungskraft performativer Persönlichkeiten. Jesuitische Dialektik ist ihr Markenzeichen und Kulmination der verbalen Mission.